Sarah Müg­gen­berg ist Mit­grün­de­rin der Keleya App, die sich wie ein Coach an die Bedürf­nisse von Schwan­ge­ren anpasst und sie durch indi­vi­du­elle Pro­gramme rund um gesunde Ernäh­rung und Bewe­gung in der Schwan­ger­schaft unter­stützt. Als zwei­fa­che Mutter und aus­ge­bil­dete Pre­na­ta­lyoga-Leh­re­rin ist sie Exper­tin auf diesem Gebiet. In unse­rem Inter­view verrät sie unter ande­rem, wie sich Acht­sam­keit in die Schwan­ger­schaft und Mut­ter­schaft inte­grie­ren lässt.

1. Keleya ist eine App, die schwan­ge­ren Frauen hilft, sich wäh­rend der Schwan­ger­schaft fit und ent­spannt zu fühlen. Wie kamen du und deine Mit­grün­de­rin auf die Idee, die Keleya App zu ent­wi­ckeln? Was ist eure Vision?

Zum einen haben wir aus per­sön­li­cher Erfah­rung und unse­rem Umfeld mit­be­kom­men, wie viele Beschwer­den es in der Schwan­ger­schaft gibt und welche Rolle Bewe­gung und Ernäh­rung dabei spie­len können. Die posi­tive Aus­wir­kung von Bewe­gung und Ernäh­rung auf die Schwan­ger­schaft und Geburt ist zudem durch viele Stu­dien belegt. Zum ande­ren habe ich in meinen Kursen gemerkt, dass jede Schwan­gere sehr unter­schied­li­che Beschwer­den und Bedürf­nisse hat und daher auch indi­vi­du­ell betreut werden möchte. Gleich­zei­tig haben viele Schwan­gere häufig nicht die Mög­lich­keit, regel­mä­ßig Kurse zu besu­chen. So ent­stand die Idee, eine digi­tale Lösung für diese Pro­bleme zu finden. Wir haben erst einen Pro­to­typ ent­wi­ckelt und damit fest­ge­stellt, dass es einen Bedarf gibt. Darauf basie­rend haben wir die App ent­wi­ckelt und Ende Sep­tem­ber 2018 gelaun­ched. Unsere Vision ist es, mit Keleya die Marke für starke und selbst­be­wusste wer­dende und junge Mütter zu werden. 

2. Du bist seit über 10 Jahren Exper­tin für Pre- und Post­na­ta­lyoga, indi­vi­dua­li­sier­ter Gesund­heits­coach für die Schwan­ger­schaft, Mit­be­grün­de­rin der Keleya App und zwei­fa­che Mutter. Wie bekommst du das alles unter einen Hut und schaffst es, ent­spannt zu blei­ben?

Das ist in der Tat manch­mal ein ganz schö­ner Spagat! Zum Glück hilft mein Mann, der aller­dings auch ein Star­tup hat und viel unter­wegs ist, tat­kräf­tig mit. Ent­spannt bleibe ich dadurch, dass mir beides sehr viel Spaß macht: mein Fami­li­en­le­ben, und dass ich meine Liebe zum Yoga, zu einer gesun­den Lebens­weise, zur Schwan­ger­schaft und dem Mut­ter­sein, mit der Freude daran, Neues aus­zu­pro­bie­ren, ver­bin­den kann. Da mir die Arbeit sehr viel Spaß macht und ich sie nicht als solche emp­finde, muss ich mich aber manch­mal zu Pausen zwin­gen, um abzu­schal­ten. Medi­ta­tion und Yoga sind dafür bes­tens geeig­net.

3. Jede Frau hat wäh­rend ihrer Schwan­ger­schaft mit ganz unter­schied­li­chen Beschwer­den zu kämp­fen. Wie kann eine App auf die indi­vi­du­el­len Bedürf­nisse der Nut­ze­rin ein­ge­hen?

Anhand der per­sön­li­chen Ein­stel­lun­gen, wie der Schwan­ger­schafts­wo­che und den indi­vi­du­el­len Zielen, als auch durch das Nut­zer­feed­back, passt sich das Pro­gramm kon­ti­nu­ier­lich an die Nut­ze­rin an. Dadurch erhal­ten die Nut­ze­rin­nen per­so­na­li­sierte Yoga- und Pila­tes-Work­outs mit unter­schied­li­chen Schwer­punk­ten, wie etwa Rücken- oder Becken­bo­den­übun­gen, die sie zeit­lich und ört­lich fle­xi­bel durch­füh­ren können. Das Level der Übun­gen passt sich immer mehr an bereits absol­vier­ten Work­outs an. Natür­lich spielt auch die Schwan­ger­schafts­wo­che für die Aus­wahl der Übun­gen eine Rolle. Basie­rend auf ihren Ein­ga­ben und Vor­lie­ben erhal­ten sie zusätz­lich gesunde und leckere Rezep­t­emp­feh­lun­gen. Die Nut­ze­rin kann zum Bei­spiel ange­ben, ob sie vege­ta­risch, Fisch oder / und Fleisch isst, ob sie Unver­träg­lich­kei­ten hat und ob sie spe­zi­ell etwas für ihren Eisen­haus­halt machen möchte.

4. Welche typi­schen Stress­fak­to­ren gibt es wäh­rend der Schwan­ger­schaft? Wie kann Acht­sam­keit dabei helfen, diese zu redu­zie­ren?

In der Schwan­ger­schaft gibt es in jeder Phase unter­schied­li­che Her­aus­for­de­run­gen:
Im ersten Tri­mes­ter leiden viele Schwan­gere unter Übel­keit und Schwin­del und sind zusätz­lich ver­un­si­chert, ob die Schwan­ger­schaft Bestand hat. Im zwei­ten Tri­mes­ter treten häufig Rücken­schmer­zen und andere phy­si­sche Pro­bleme, wie Sod­bren­nen und Kurz­at­mig­keit auf. Zusätz­lich gibt es bereits viel rund um die Schwan­ger­schaft und Geburt zu orga­ni­sie­ren, wäh­rend die meis­ten Frauen noch normal wei­ter­ar­bei­ten. Im drit­ten Tri­mes­ter wird mit wach­sen­dem Bauch­um­fang vieles beschwer­li­cher. Zudem machen sich viele wer­dende Mamas Gedan­ken über die Geburt und die erste Zeit mit Baby.

Acht­sam­keit kann eine große Unter­stüt­zung im Alltag bieten. Es hilft, das Tempo etwas raus­zu­neh­men und den Pro­zess der Wand­lung bewusst zu erle­ben. Mehr Auf­merk­sam­keit darauf zu geben, was wir essen und sich dabei Zeit zu lassen, kann eine gesunde Schwan­ger­schaft unter­stüt­zen und Ver­dau­ungs­be­schwer­den vor­beu­gen. Zusätz­lich hilft es, nach Innen zu spüren und bewusst zum Baby zu atmen, um die Ver­bin­dung zum Baby zu stär­ken.

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5. Welche Vor­teile für Frauen und das Baby bringt eine regel­mä­ßige Medi­ta­ti­ons­pra­xis wäh­rend der Schwan­ger­schaft? Hast du Tipps, wie auch hoch­schwan­gere Frauen eine bequeme Sitz­po­si­tion finden können? 

Eine regel­mä­ßige Medi­ta­ti­ons­pra­xis stärkt zum einen die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit in einer Zeit, in der manch­mal zu viele Gedan­ken auf einmal durch den Kopf strö­men. Sie hilft auch, mit sich selbst und dem Baby in Kon­takt zu sein. Das wie­derum ist eine gute Vor­aus­set­zung für eine kom­pli­ka­ti­ons­freie Geburt. So merkt die wer­dende Mama, dass sie ihrem Bauch­ge­fühl ver­trauen kann und weiß, was sie braucht.

Für eine ent­spannte Sitz­po­si­tion ist die Faust­re­gel: Je größer der Bauch, desto höher sollte man sitzen. Am Anfang reicht ein Medi­ta­ti­ons- oder gefal­te­tes Kissen. Wenn der Bauch größer ist, kann man ein Still­kis­sen oder eine Medi­ta­ti­ons­bank ver­wen­den. So hat der Baby­bauch Platz und die Schwan­gere kann die Wir­bel­säule lang machen und tiefer atmen. Ob sie im ein­fa­chen Kreuz­sitz, auf einem Kissen im Fer­sen­sitz oder auf einem großen Gym­nas­tik­ball sitzt, spielt dabei keine Rolle. Wich­tig ist, dass die Beine nicht ein­schla­fen und sie eine Weile bequem sitzen kann.

6. Was ist dein per­sön­li­cher Tipp, um in Stress­si­tua­tio­nen zur Ruhe zu kommen? 

Um in Stress­si­tua­tio­nen zur Ruhe zu kommen, ist der Atem mein treu­es­ter Beglei­ter. Spe­zi­elle Atem­übun­gen, wie die Wech­sel­at­mung oder auch ein­fach tief in den Bauch zu atmen, nimmt mir Angst und Auf­re­gung. Das habe ich seit vielen Jahren bei Lam­pen­fie­ber, Flug­angst, bei den Gebur­ten meiner beiden Söhne und ande­ren Situa­tio­nen erfolg­reich ange­wandt.

7. Wie können Frauen das Thema Acht­sam­keit ihren Kin­dern näher brin­gen?

Acht­sam­keit kann mit Kin­dern sehr gut in all­täg­li­chen Situa­tio­nen, etwa beim Kochen und Essen trai­nie­ren. Gerade im Baby- und Klein­kind­al­ter begrei­fen die Kinder sehr viel über die Sinne. Die sinn­li­chen Ein­drü­cke, wie etwas riecht oder schmeckt, prägen in dieser frühen Phase beson­ders. Des­halb habe ich meine Kinder häufig mit Nudeln oder Teig spie­len lassen. Beim Essen rie­chen wir erst­mal den Duft und wir wür­di­gen den­je­ni­gen, der gekocht hat. So lernen die Kinder, das wert­zu­schät­zen, was sie haben, anstatt es für selbst­ver­ständ­lich zu halten. Auch beim Raus­ge­hen in die Natur gibt es unzäh­lige Mög­lich­kei­ten, die Acht­sam­keit und die Sin­nes­wahr­neh­mung zu schu­len.

Außer­dem haben wir seit Jahren ein Abend­ri­tual, wel­ches allen sehr wich­tig ist. Mein 11-jäh­ri­ger Sohn kann zum Bei­spiel nicht ein­schla­fen, wenn er nicht von jedem Fami­li­en­mit­glied gehört hat, was ihm an dem Tag gefal­len oder nicht gefal­len hat und er möchte erzäh­len, was seine High­lights und Flops des Tages waren. So schen­ken wir den all­täg­li­chen Momen­ten mehr Acht­sam­keit.

Die Keleya App kos­ten­los her­un­ter­la­den:
iOs App Store
Google Play Store

(Bild­quelle: Tomas Nadler)

Acht­sa­mer werden durch Medi­ta­tion:
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