von Anna Rosenbaum

In der Vorweihnachtszeit lassen wir oft alle Hemmungen fallen. Endlich ist die Zeit im Jahr gekommen, in der gemütliches Faulenzen und herzhaftes Schlemmen erlaubt sind. Und so sollte das auch sein, finden wir. Solange du dich damit wohlfühlst! Und zwar ohne schlechtes Gewissen und mit vollem Genuss.

Gutes schlechtes Gewissen

Erst einmal ist ein “schlechtes Gewissen” ja gar nicht so schlecht wie es sich anhört. Unser Gewissen leitet uns wie ein Kompass durchs Leben – weist uns zum Beispiel darauf hin, dass Obst und Gemüse eigentlich gesünder sind als Kekse, dass Bewegung für den Körper besser ist als Fernsehen und dass es netter ist, die Geburtstagseinladung früher zu beantworten als später.

Sich mit dem eigenen Gewissen auseinander zu setzen und zu reflektieren, welche Rückmeldung wir bekommen, ist also durchaus sinnvoll. Haben wir allerdings ständig ein schlechtes Gewissen, weil wir uns zu strenge Anforderungen setzen, verursacht das Stress. Deshalb kann es durchaus gesünder sein – und viel glücklicher machen – die eigenen Zügel auch einmal lockerzulassen.

Sich selbst etwas gönnen können

Gerade in einer Zeit, in der ein Gesundheitstrend den anderen jagt, denken viele von uns, ihr Lebensstil müsste frei von allen Sünden sein und streng den aktuell vorgegebenen Regeln entsprechen. Möglichst keine Süßigkeiten, viel Gemüse, vielleicht „Low Carb“ oder „Low Fat“, und auf jeden Fall viel Bewegung. Alles Dinge, die in der Weihnachtszeit doppelt und dreifach schwer einzuhalten sind. Aber ist es in dieser Jahreszeit wirklich sinnvoll, sich bei jedem Ausrutscher zu plagen? Oder verursacht das nicht nur zusätzlichen Stress?

Wenn du einen gemütlichen Nachmittag mit Lebkuchen und Kakao auf dem Sofa verbringst, denkst du dann innerlich, du solltest eigentlich das Bad putzen oder sonst etwas „sinnvolles“ erledigen? Beim Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt vielleicht, dass das Fitnessstudio gerade viel gesünder wäre? Solche Gedanken sind zwar eine gute Erinnerung an die eigenen Werte, aber wenn man sie nicht abstellen kann, nützen sie einem nicht. Im Gegenteil, dann führt das schlechte Gewissen dazu, dass aus einem eigentlich schönen Erlebnis ein stressiges wird.

Also gönn dir etwas, und genieß es auch richtig! Lass es dir richtig schmecken, freu dich an dem Abend mit Freunden, sei wirklich da. Dann fällt es übrigens auch viel leichter, hier und da mal auf etwas zu verzichten, das man sonst achtlos, ohne besonderen Genuss in sich hineingestopft hätte.

Die eigenen Fehler annehmen

Und wenn du doch einmal über das eigene Maß hinausschießt und das schlechte Gewissen kommt, lass es zu, nimm es an und mach dich nicht verrückt. In solchen Situationen hilft es, sich vor Augen zu führen, dass niemand perfekt ist. Dass Ausnahmen und Fehltritte zum Leben dazu gehören. Und dass es auch etwas Positives sein kann, einmal über die Strenge zu schlagen, wenn du den Moment wenigstens genießt.

Je besser du deine „Fehler“ annehmen kannst, desto weniger Stress verursachen sie dir, und desto leichter wird es dir fallen, im Einklang mit deinen Bedürfnissen zu leben. Denk daran, dass dein Körper und dein Geist meistens ziemlich genau wissen, was ihnen gerade gut tut. Wenn du lernst, in dich hineinzuhorchen und darauf zu hören, wirst du genau merken, ob für dich gerade eine Runde Entspannung auf dem Sofa gesünder ist oder ein Dauerlauf durch den Park. Und wenn es die Entspannung ist, die du gerade brauchst, dann lass es auch zu.

Sich selbst Brücken bauen

Für alle, denen das Zulassen und Annehmen noch schwerfällt, gibt es einen kleinen Trick, wie sich Ausnahmen besser genießen lassen. Unser Gehirn ist es gewöhnt, hin und wieder Kompromisse einzugehen. Wenn du dir also gerne etwas gönnen möchtest aber strenge Anforderungen an dich selbst hast, versuche, eine „Wenn..., dann...“-Vereinbarung mit dir selbst zu treffen und dir so eine Brücke zu bauen.

Überleg dir also für eine kleine „Sünde“ einen Ausgleich, mit dem du dich wohlfühlst, je nachdem, wo dein schlechtes Gewissen herkommt. Zum Beispiel „Wenn ich heute den Tag auf dem Sofa verbringe, gehe ich morgen eine halbe Stunde früher zur Arbeit“, oder
„Wenn ich heute alle Leckereien esse, die mir in die Quere kommen, gibt es morgen nur Salat und Gemüse.”

Dann gelingt es dir hoffentlich, die Ausnahmen auch richtig zu genießen. Und es kann sogar Spaß machen, dich selbst besser kennenzulernen und herauszufinden mit welchen Kompromissen du dich am wohlsten fühlst. Und an welchen Stellen du vielleicht generell etwas weniger streng zu dir sein darfst.

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