von Timea Cheeseman

Jede Beziehung hat gute und schlechte Zeiten. Trotzdem scheinen manche leichter und vor allem stärker aus turbulenten Phasen herauszugehen, als andere. Natürlich wissen alle, dass es keine Wunderpille für die perfekte Beziehung gibt. Aber die brauchen wir auch gar nicht, denn mit ein bisschen mehr Achtsamkeit für unsere eigenen Bedürfnisse, können wir die Beziehung zu uns selbst verbessern. Und das ist nicht nur die wichtigste Beziehung von allen, sondern stärkt auch die Partnerschaft.

Klarheit über die eigenen Bedürfnisse zu erlangen, verbessert auch die Kommunikation innerhalb einer Partnerschaft. Ein klarer Geist schafft klare Worte, und die brauchen wir unbedingt, um Konflikte fair und achtsam auszutragen. Egal, ob man einfach das Gefühl des “Frisch-Verliebtseins” vermisst oder durch eine Beziehungskrise geht - wir zeigen dir, wie man auch in schweren Zeiten das Gute nicht aus den Augen verliert.

Selbstbewusst mit den eigenen Bedürfnissen umgehen

Wir alle haben Vorstellungen davon, was eine gute Beziehung ausmacht. Vielleicht ist dir wichtig, dass ihr gemeinsame Werte wie Ehrlichkeit und Treue teilt, oder die gleichen Wünsche habt, wenn es um die Zukunft geht – zwei Kinder, das Selbstversorger-Familiennest auf dem Land oder doch Karriere in der Großstadt. Der Wunsch nach Harmonie oder die Angst vor Zurückweisung können uns daran hindern, genau diese Vorstellungen auszusprechen. So schlummern sie im Unterbewusstsein weiter, und erst wenn uns die eigene Beziehungsrealität unzufrieden macht oder frustriert, merken wir, dass etwas nicht stimmt.

Was will ich und was brauche ich? Um auf diese wichtigen Fragen eine Antwort zu finden, helfen vor allem zwei Dinge: Achtsamkeit und Akzeptanz. Zu selten investiert man Zeit in sich selbst, um herauszufinden, was man eigentlich will. Und nimmt sich damit die Chance auf eine zufriedene Partnerschaft. Vielleicht fällt dir beim näheren Betrachten der eigenen Beziehung auch schon auf, dass Vieles längst vorhanden ist. Bedürfnisse auch zu kommunizieren, ist allerdings eine echte Herausforderung. Nicht nur, weil wir manchmal nicht die richtigen Worte finden, sondern auch, weil uns das eigene Gedankenkarussell schnell davon abhält, achtsam zuzuhören.

Endlich sagen, was du meinst – Endlich hören, was du sollst

Wäre es nicht schön, wenn es einen “Gesprächsdolmetscher” für die eigene Beziehung gäbe? Lasst es euch ruhig mal auf der Zunge zergehen. Erstens, würde bei dem Partner nur das ankommen, was wir wirklich sagen wollen. Zweitens, würde man uns endlich zur Hand gehen, wenn es darum geht, das Gesagte richtig einzuordnen. Denn oft hören wir nur das, was wir hören wollen. Leider gibt es diesen Dolmetscher nicht, denn die Fähigkeit zu guter Kommunikation kann uns weder Mensch noch Maschine abnehmen. Wir müssen also lernen, uns selbst zu vertrauen.

Mindestens genauso wichtig wie die Eigenwahrnehmung ist es, unserem Partner im Gespräch mehr Aufmerksamkeit zu schenken und bewusst zuzuhören. In der Praxis würde das heißen, dass Smartphone auch mal aus der Hand zu legen, wenn sich der Partner über seinen nervigen Kollegen auslässt. Selbst dann noch, wenn man die Geschichte jeden Abend aufs Neue hört. Schnell wird klar, wie oft man nur mit halbem Ohr dabei ist. So geht nicht nur das nötige Verständnis flöten, sondern auch ein Stück der Wertschätzung für die andere Person. Wenn wir unser Gegenüber aus den Augen und Ohren verlieren, hilft nur eins: die Gedanken wieder auf das Hier und Jetzt zu fokussieren.

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Richtig Streiten: Das Jetzt als Stopptaste

Egal, wie viel man zuhört, auch in der stärksten Beziehung kommt es mal zum Streit. Wichtig ist aber nicht, ob gestritten wird, sondern vor allem wie. Manchmal reicht ein falsches Wort und schon werden wir innerhalb weniger Sekunden von der eigenen Wut und Enttäuschung übermannt. Das „Entschuldigung“ hören wir dann gar nicht mehr, sondern nehmen schon Anlauf für den nächsten emotionalen Rundumschlag. Damit der Streit nicht eskaliert, und vor allem fair bleibt, kann man sich mit dem “Jetzt” verbünden.

Ruhe bewahren – als hätten wir es nicht alle schon einmal versucht. Im Streit ist man manchmal so benebelt von der eigenen Rage, dass sich Sinn und Logik schnell verabschieden. Stattdessen steigen Wut und Enttäuschung in uns hoch. Die Augen werden feuchter, die Stimme härter. Gerade in solchen Situationen ist es wichtig, nicht sofort zu reagieren, sondern bewusst innezuhalten und nur zu fühlen. Fühle die Hitze, wie sie in dir aufsteigt, die Wut, wie sie deinen Herzschlag erhöht. Dieser bewusste Moment des Innehaltens und Beobachtens kann dich nicht nur von unüberlegten Handlungen abhalten, sondern auch Raum für eine faire Reaktion schaffen. Ganz nach dem ZItat von Viktor Frankl: „Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion zu wählen. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.“

Oft reagieren wir im Streit auf mehr als nur die aktuelle Situation. Vielleicht sind es alte Enttäuschungen und schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit oder Verlust- und Zukunftsängste, die uns scharf und unfair reagieren lassen. Konzentriere dich ganz bewusst auf das “Jetzt” und nimm wahr, was für den gegenwärtigen Moment wichtig ist. Was brauchst du jetzt? Wenn du merkst, dass tiefere Gründe hinter deinem Ärger stecken, versuche sie zu erläutern, ohne in Pauschalvorwürfe zu verfallen. Wenn der Konflikt ausgetragen ist, kannst du dich wieder auf eure gemeinsame Zeit besinnen und auch die gemeinsame Zukunft planen.

Die Routine durchbrechen

Gemeinsame Zeit und Erfahrungen schweißen zusammen. Aber was passiert, wenn man seinen Partner schon so gut kennt, dass die Routine an der Qualität der Beziehung nagt? Die Vertrautheit einer Person die man schon lange kennt, ist etwas ganz besonderes, keine Frage. Aber kommt da noch mal ein sinnliches Aufleben aufregender Gefühle, oder war es das jetzt?

Wenn man an die Anfänge einer Beziehung denkt, waren es doch vor allem die kleinen Macken und Eigenheiten, die den Partner so spannend gemacht haben. Um das aufregende Gefühl des „Frisch-Verliebtseins“ wieder einmal zu spüren, reicht es schon, sich in ganz neue Situationen zu begeben. Wenn ihr also ab und zu der Beziehungsroutine entkommen wollt, könnt ihr Dinge unternehmen, die ihr noch nie zusammen gemacht habt. Wie wäre es mit einem Camping-Trip, statt Urlaub im Hotel? Oder einem Tandemsprung, statt Spa-Besuch? Wer weiß, vielleicht entdeckst du dabei eine ganz neue Seite deines Partners – aufregend, oder?

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(Bild: Kelly Sikkema auf Unsplash)