von Alex­an­dra Gojowy und Helena Pabst

Hap­pi­ness is only real when shared.” Dieses Zitat kennen viele aus dem Film Into the Wild” (2007), der die Lebens­ge­schichte von Chris­to­pher McCand­less erzählt. McCand­less hatte sich 1992 alleine auf den Weg in die Wild­nis von Alaska gemacht und diese Reise leider nicht über­lebt. In seinen letz­ten Wochen beschäf­tigte er sich ein­ge­hend mit der Frage, was einen Men­schen wirk­lich glück­lich macht – und kam letzt­lich auf diesen einen Satz. 

Enge Bezie­hun­gen: Das Geheim­nis des Glücks

Wie wich­tig enge Bezie­hun­gen zu ande­ren Men­schen für das Glücks­emp­fin­den sind, ist inzwi­schen auch wis­sen­schaft­lich belegt. For­scher der Uni­ver­si­tät Har­vard haben in der bisher längs­ten Studie zum Thema Glück über 75 Jahre beob­ach­tet, was für die Lebens­zu­frie­den­heit wirk­lich aus­schlag­ge­bend ist. Mit über­ra­schen­dem Ergeb­nis. Ent­schei­dend waren nicht – wie viele anfangs dach­ten – Erfolg, Status oder Sicher­heit, son­dern: Sta­bile Bezie­hun­gen.

Ein ein­zi­ger wirk­lich enger Freund kann nach Erkennt­nis der For­scher mehr zur Zufrie­den­heit – und sogar zur Gesund­heit – bei­tra­gen als Sport, Ernäh­rung oder Wohl­stand. Denn Men­schen sind Bezie­hungs­we­sen, die alleine nicht zu voll­kom­me­nen Glück fähig sind, erläu­tert auch Man­fred Lütz, Psych­ia­ter und Autor.

Doch was macht sta­bile Bezie­hun­gen aus? Ewige Har­mo­nie? Voll­kom­mene Sym­biose? Tat­säch­lich sind nicht nur Gemein­sam­kei­ten, son­dern auch Kon­flikte ent­schei­dend für lang­le­bige Freund­schaf­ten, Part­ner­schaf­ten oder Ehen. Denn sie tragen dazu bei, Gren­zen zu setzen, Bedürf­nisse zu for­mu­lie­ren und Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zu klären. Strei­ten ermög­licht, sich selbst und andere besser ken­nen­zu­ler­nen, Wün­sche, Gefühle und Inter­es­sen in Worte zu fassen,“ so Kon­flikt­for­sche­rin Susanne Jalka.

Wenn man den Streit denn rich­tig aus­trägt. Und Vor­aus­set­zung dafür ist nicht die totale Selbst­auf­gabe, son­dern im Gegen­teil: die auf den ersten Blick so ego­is­tisch wir­kende Suche nach den eige­nen Bedürf­nis­sen.

Kon­flikte rich­tig lösen: Worum geht es wirk­lich?

Zu sich kommen, die eigene Mitte finden, indi­vi­du­elle Bedürf­nisse wahr­neh­men – Selbst­fin­dung ist Trend und stellt erst einmal die eigene Person in den Vor­der­grund. Doch sich selbst zu hin­ter­fra­gen und mit den eige­nen Bedürf­nis­sen zu beschäf­ti­gen, hat nichts mit Ego-Trip” zu tun, son­dern ist der erste Schritt, um ehr­li­che und sta­bile Bezie­hun­gen zu führen. Denn auch die besten Freund­schaf­ten kommen nicht ohne Streit aus. Tat­säch­lich sind Kon­flikte sogar wich­tig für Körper, Geist und die Soziale Intel­li­genz. Wenn wir denn lernen acht­sam” zu strei­ten. Und dafür müssen wir erst einmal wissen, was uns wirk­lich wich­tig ist und wo unsere Gren­zen liegen. 

In Kon­flikt­si­tua­tio­nen reagie­ren wir häufig impul­siv, ohne zu hin­ter­fra­gen, was eigent­lich wirk­lich hinter der eige­nen Reak­tion steckt. Macht mich die kurz­fris­tige Absage der Freun­din wirk­lich so sauer, weil ich ja Bes­se­res zu tun” hätte, oder fühle ich mich eigent­lich in meinem Ver­trauen ver­letzt? Hat mich die kon­krete Kritik der Chefin geär­gert, oder fühle ich mich ins­ge­samt nicht wert­ge­schätzt? Oder umge­kehrt – Wieso ist mein Gegen­über plötz­lich” so gereizt?

Sich mit sich selbst zu befas­sen und mehr Kon­trolle über die eige­nen Emo­tio­nen zu lernen, heißt also nicht, sich zurück­zu­zie­hen. Viel­mehr lässt sich so leich­ter erken­nen, wann wir tat­säch­lich Gren­zen auf­zei­gen müssen und wann wir aus ein­ge­fah­re­nen Reak­ti­ons­mus­tern heraus han­deln oder ein­fach nur kämp­fe­risch das Ego ver­tei­di­gen. Je besser wir die eigene Per­sön­lich­keit reflek­tie­ren, desto mehr Akzep­tanz und Empa­thie ent­wi­ckeln wir für uns selbst und unser Gegen­über – eine wich­tige Grund­lage für kon­struk­tive Aus­ein­an­der­set­zun­gen.

Empa­thie stär­ken durch Medi­ta­tion:
7Mind kos­ten­los star­ten


Erst­mal tief durch­at­men

Ein ein­fa­cher Weg, die eige­nen Impulse in Kon­flikt­si­tua­tio­nen unter Kon­trolle zu bekom­men ist das sprich­wört­li­che tief durch­at­men”. Tat­säch­lich können schon ein zwei tiefe Atem­züge die Reak­tion auf einen ver­meint­li­chen Angriff ent­schei­dend ver­än­dern, wie der berühmte Neu­ro­loge und Psych­ia­ter Viktor Frankl for­mu­liert hat: Zwi­schen Reiz und Reak­tion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unse­rer Reak­tion. In unse­rer Reak­tion liegen unser Wachs­tum und unsere Frei­heit.”

Inner­lich ruhig zu blei­ben, schafft Raum, die eige­nen Bedürf­nisse zu hin­ter­fra­gen und Offen­heit für andere Sicht­wei­sen. Wer diese Kon­zen­tra­tion und Kon­trolle regel­mä­ßig übt, bei­spiels­weise durch Medi­ta­tion, wird nach­weis­lich reflek­tier­ter und kann die eige­nen Emo­tio­nen leich­ter steu­ern. Auch das Empa­thie­ver­mö­gen erhöht sich. Mit mehr Gelas­sen­heit lassen sich manche Kon­flikte sogar ganz ver­mei­den.

Und wenn man sich doch einmal Luft machen muss, werden gute Freunde das aus­hal­ten können. Am glück­lichs­ten machen schließ­lich Freund­schaf­ten, in denen man sich auf Augen­höhe begeg­net. Andere an sich her­an­zu­las­sen, gerade dann wenn es schwie­rig wird, ist Grund­vor­aus­set­zung für lang­le­bige Bezie­hun­gen. Und die brau­chen wir unbe­dingt für ein glück­li­ches Leben. Ja, dazu gehört auch mal ein guter Streit. Was zählt ist, dass man sich am Ende des Tages wieder über gemein­same Erleb­nisse freuen kann. Denn Glück ist kein Ego-Trip, son­dern immer ein Gemein­schafts­pro­jekt.


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