von Alexandra Gojowy

Du denkst, Meditation ist nichts für dich, weil du es einfach nicht schaffst, an “Nichts” zu denken? Wir haben eine gute Nachricht für dich: Du musst gar nicht aufhören, zu denken! Sondern nur die Art und Weise verändern, wie du mit deinen Gedanken umgehst. Und das muss kein Kampf sein, weder während der Meditation, noch im Alltag. Mit den richtigen Tricks kannst du die eigenen Gedanken sogar nutzen, um dich noch tiefer in die Entspannung tragen zu lassen. Mit den folgenden Tipps lernst du, die eigenen Gedanken besser zu verstehen und mit ihnen umzugehen.

Lass deine Gedanken wie Wolken ziehen

Manchmal sind die eigenen Gedanken wie dicke Regenwolken; undurchsichtig und schwer. Sie vernebeln uns den Geist, nehmen uns die Klarheit und lassen immer wieder neue Sorgen und Grübeleien über uns hereinbrechen. In solchen Momenten verlieren wir den Blick für das große Ganze und fokussieren uns auf eine besonders dunkle Gedankenwolke. Unser Tipp: Stell dir dein Bewusstsein als einen weiten Horizont vor. Dort tauchen immer mal wieder Wolken auf, aber dahinter ist der Himmel immer klar und blau. Schau nun genau hin, wie der Wind deine Gedanken bewegt. Je nach Inhalt entsprechen sie vielleicht einer Gewitter- oder harmlosen Schäfchen-Wolke. Das spielt jedoch keine Rolle, denn der Wind treibt sie über den Horizont. Sie kommen und gehen. Sobald eine Wolke vorübergezogen ist, wird dein Bewusstsein auch schon eine neue produzieren. Das ist ganz normal. Verliere dich nicht in den Einzelheiten der Wetterphänomene, sondern lass sie als Ganzes vor deinem inneren Auge vorüberziehen. So wird dir die Vergänglichkeit der eigenen Gedanken bewusst und du kannst dich besser auf den Moment konzentrieren.

Jage nicht das weiße Kaninchen

Vielleicht kommt dir folgende Situation bekannt vor: Du hast es endlich geschafft, für einen kurzen Moment im Hier und Jetzt zu versinken und zack, da kommt ein besonders interessanter Gedanke vorbei und lockt dich mit seiner spannenden Geschichte aus der Reserve. Das können besonders schöne Erinnerungen sein, die Vorfreude auf ein zukünftiges Ereignis aber auch Sorgen und Ängste, die dich im Alltag beschäftigen. Es ist völlig ok, diese Gedanken zu haben. Entscheidend ist, dass du ihnen nicht nachjagst. Denn genauso wie bei Alice, die dem weißen Kaninchen bis ins Wunderland folgte, führen die eigenen Gedanken oft in das verrückte Labyrinth des Unterbewusstseins. Versuche also, deine Gedanken wahrzunehmen aber keine Geschichten aus ihnen zu spinnen. Lass dich nicht in eine ganze Story verwickeln, sondern bleib beim Titel und lies ihn dir in Ruhe durch. Anschließend kannst du ganz entspannt warten, welches Kaninchen als nächstes vorbeikommt.

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Singe!

Zugegeben, dieser Tipp klingt zunächst etwas merkwürdig. Aktuelle Studien belegen aber, dass der Körper während des Singens keine Angstgefühle produzieren kann. Denn sobald wir unsere Stimme kreativ nutzen, werden nicht nur die Gehirnhälften zur Zusammenarbeit angeregt, sondern auch unterschiedlichste Organe. Singen stellt ein natürliches Gleichgewicht im Körper her und gibt uns gleichzeitig noch das Gefühl, etwas Kreatives in die Welt hinauszutragen. So soll Singen sowohl gegen Angst, aber auch gegen Stress und sogar Liebeskummer helfen. Wenn du also Schwierigkeiten hast, einen besonders hartnäckigen Gedanken loszuwerden oder dich in deinen Alltagssorgen verstrickst, dann denk an deinen Lieblingssong! Und wenn es dir egal ist, was deine Nachbarn, Mitbewohner oder Familienmitglieder von dir denken, dann sing dir doch selbst ein Ständchen. Du wirst sehen, welch positiven Effekte das Singen auf deine Stimmung und Gedankengänge hat.

Beobachte das Gedankenkarussell

Wir wollen immer das, was wir nicht haben können. Leider verhält es sich ähnlich mit unseren Gedanken. Je mehr wir versuchen, unseren Geist unter Kontrolle zu bekommen oder uns bestimmte Gedanken zu verbieten, desto mächtiger werden sie. Beginne stattdessen, deinen Geist zu beobachten und die auftauchenden Gedanken und Gefühle nicht zu bewerten. Was zeigt sich in dir? Was möchte gesehen werden? In einem Vortrag sagte der Dalai Lama, dass Achtsamkeit für ihn bedeute, den Geist zu beobachten: “Wenn wir selbst die Abläufe in unserem Inneren beobachten und untersuchen wollen, dann ist das Instrument, das wir dazu brauchen, der eigene Geist”. Durch Achtsamkeit kannst du genau das trainieren. Indem du eine Distanz zu deinen eigenen Emotionen aufbaust, gelingt es dir, sie einfach nur zu betrachten. Wenn du wütend bist, wirst du durch Achtsamkeitstraining nicht weniger wütend. Vielmehr wird es dir gelingen, Wut als Teil von dir anzusehen, dich aber nicht mehr komplett von ihr vereinnahmen zu lassen. Ein Teil deines Geistes bleibt so der stille Beobachter im Hintergrund und kann dir langfristig mehr Gelassenheit im Umgang mit deinen Gefühlen und Gedanken schenken.

Stoppe an der roten Ampel

Wenn tagsüber belastende Gedanken auftauchen, haben wir viele Möglichkeiten, uns abzulenken. Anders ist es, wenn wir mitten in der Nacht aufwachen und uns so sehr in Alltagssorgen hineinsteigern, dass wir nicht mehr einschlafen können. Die eigenen Gedanken wirken dann wie ein Strudel, dem wir uns nur schwer entziehen können. Unser Tipp: Sobald du merkst, dass dich Grübeleien überkommen, an denen du in deiner gegenwärtigen Situation nichts verändern kannst, denke an eine rote Ampel! Rot ist für unser Gehirn eine Signalfarbe und lässt uns innehalten, genauso wie ein Stoppschild. Wenn du deinen Geist anhalten möchtest, dann visualisiere genau dieses Stoppschild oder eben eine rote Ampel. So hältst du die negative Gedankenspirale an und schaffst dir innerlich Raum, um das zwanghafte Grübeln zu beenden.

Meditation und Achtsamkeit setzen kein großes Können voraus. Wenn du beginnst, dich mit deinen eigenen Gedanken auseinanderzusetzen, wirst du schon bald Muster erkennen und immer mehr lernen, diese zu durchbrechen. Vergiss nicht, dass jeder Mensch ganz unterschiedlich tickt und es kein Geheimrezept gibt, das für jeden funktioniert. Geh mit Spaß und Leichtigkeit an die Sache heran und probier verschiedene Methoden aus. Deine Gedanken sind ein Teil von dir, akzeptiere sie! Achtsamkeitstraining kann sie nicht wegzaubern, wird dir aber beibringen, dich besser zu verstehen. So kannst du einem negativen Gedanken entgegensteuern. Wenn du dir auf rationaler Ebene bewusst wirst, dass er unbegründet ist, wirst du automatisch gelassener und kannst auch in schwierigen Situationen leichter loslassen.

Der 7Mind Podcast zum Wochenimpuls:

(Bild: Valentin auf Unsplash)

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