von Anna Rosen­baum und Helena Pabst

Mitt­ler­weile ist das Thema Medi­ta­tion so weit ver­brei­tet, dass jeder schon einmal davon gehört haben dürfte. Doch noch immer gibt es auch viele Unklar­hei­ten und Vor­ur­teile. Häufig wird Medi­ta­tion mit Reli­gion oder Eso­te­rik ver­bun­den. Mit der Suche nach Erleuch­tung. Doch wie hängt das mit der moder­nen Medi­ta­tion zusam­men, die inzwi­schen selbst in den Füh­rungs­eta­gen großer Firmen beliebt ist? 

Tat­säch­lich hat Medi­ta­tion viele Ursprünge, ist in den ver­schie­dens­ten Tra­di­tio­nen ver­brei­tet und wird mit unter­schied­li­chen Zielen betrie­ben. In unse­rer west­li­chen Welt inzwi­schen auch ganz ohne tra­di­tio­nelle Bezüge oder bestimm­tes Ziel – ein­fach nur weil sie das Wohl­be­fin­den stei­gert. Wir bieten euch einen Über­blick über die Ursprünge und unter­schied­li­chen Aus­rich­tun­gen.

Was bedeu­tet Medi­tie­ren”?

Häufig wird mit der Medi­ta­ti­ons­pra­xis das Ziel ver­bun­den, sich von allen Gedan­ken frei zu machen. Gerade des­halb über­rascht die Wort­ab­stam­mung aus dem Latei­ni­schen. Das latei­ni­sche Wort medi­tari’ kann mit nach­den­ken’, über­le­gen’, oder sin­nie­ren’ über­setzt werden. Medi­ta­tion bedeu­tet also erst einmal nur eine tiefe Fokus­sie­rung und Ver­sen­kung und kann ganz unter­schied­li­chen Zielen dienen.

Dass die Medi­ta­tion einer bestimm­ten Reli­gion ange­hört oder nur eine ein­zige Form der Aus­übung beinhal­tet, die mit ande­ren Tra­di­tio­nen nicht ver­ein­bar wäre, ist des­halb ein Irr­glaube. Auch wenn die Medi­ta­tion in ihren Ursprün­gen und man­chen Formen einen reli­giö­sen Bezug hat. Der größte Unter­schied zwi­schen ver­schie­de­nen Medi­ta­ti­ons­for­men sind die Ziele, mit denen die Übun­gen prak­ti­ziert werden.

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Die Ursprünge der Medi­ta­tion: Von Indien nach Ost­asien

In ihren Ursprün­gen war Medi­ta­tion ein reli­giöse Praxis und vor allem Gelehr­ten und Mön­chen vor­be­hal­ten. In der indi­schen Tra­di­tion wird Medi­ta­tion bereits seit gut 5.000 Jahren prak­ti­ziert, in Form von Atem­übun­gen und Fokus­sie­rung. Aus diesen vedi­schen” Ursprün­gen ent­stan­den die zwei bekann­tes­ten Medi­ta­ti­ons­tra­di­tio­nen: Yoga und Bud­dhis­mus.

Wäh­rend Yoga im Westen vor allem über die kör­per­li­chen Übun­gen bekannt ist, dien­ten diese ursprüng­lich nur der Vor­be­rei­tung auf die Medi­ta­tion. Ziel der yogi­schen Medi­ta­tion nach Pata­n­jali ist die Errei­chung von Samadhi”, der voll­stän­di­gen Ver­sen­kung und schließ­lich Erkennt­nis. Der Bud­dhis­mus ent­stand wahr­schein­lich im 5. Jh. v. Chr. und geht auf den nord­in­di­schen Adli­gen Sid­dharta Gaut­ama zurück, der durch medi­ta­tive Ver­sen­kung zu Buddha” wurde, wört­lich der Erwachte”.

Von Indien aus ver­brei­tete sich der Bud­dhis­mus unter ande­rem nach China, Tibet und Japan, wo aus der Ver­mi­schung mit bestehen­den Tra­di­tio­nen der Zen-Bud­dhis­mus und der Tibe­ti­sche Bud­dhis­mus ent­stan­den.

Die Medi­ta­tion in Chris­ten­tum, Juden­tum und Islam

Und auch wenn es erst einmal über­rascht – auch in den drei Welt­re­li­gio­nen hat die Medi­ta­tion ihren Platz. So gibt es die christ­li­che Tra­di­tion der medi­ta­tio”, der wie­der­hol­ten Betrach­tung eines kurzen Seg­ments der hei­li­gen Schrift. Diese soll den Weg zu Gott ebnen. Im Juden­tum werden zum glei­chen Zweck Man­tras genutzt, Verse aus bei­spiels­weise Tora oder Talmud. Die mus­li­mi­schen Sufis” nutzen Gesänge und Atem­me­di­ta­tion, um die Ein­heit mit Gott zu errei­chen.

All diese Tra­di­tio­nen haben gemein, dass sie primär reli­giös moti­viert sind und die Medi­ta­tion mit einem klaren Ziel ver­bun­den ist – ob Weg zu Gott, Bewusst­seins­er­wei­te­rung, Selbst­er­kennt­nis oder Erleuch­tung. Moderne Medi­ta­ti­ons­rich­tun­gen lösen sich von diesen Ziel­set­zun­gen und nutzen statt­des­sen das Prin­zip der Acht­sam­keit”.

Moderne Medi­ta­tion: Wis­sen­schaft und Acht­sam­keit”

Die Acht­sam­keits-basierte Medi­ta­tion wurde beson­ders durch Prof. Jon Kabat-Zinn der Mas­sa­chus­sets Uni­ver­sity Medi­cal School bekannt gemacht. Bereits Ende der 1970er Jahre unter­suchte Kabat-Zinn die Wir­kun­gen der Medi­ta­tion aus wis­sen­schaft­li­cher Per­spek­tive. Er defi­niert das Prin­zip der Acht­sam­keit wie folgt: Acht­sam­keit ist das Bewusst­ma­chen der Erfah­run­gen, die absicht­lich und ohne dar­über zu urtei­len im Hier und Jetzt wahr­ge­nom­men werden. Acht­sam­keit folgt damit keinem bestimm­ten Ziel wie Erleuch­tung oder reli­giö­ser Erkennt­nis.

Diese Art von Medi­ta­tion säku­la­ri­siert das Medi­tie­ren und wird vor allem ein­ge­setzt, um die gesund­heit­li­chen und psy­cho­lo­gi­schen Vor­teile der Medi­ta­tion zu nutzen. Die posi­ti­ven Wir­kun­gen werden aber nicht zum Ziel gesetzt, son­dern als will­kom­mene Beglei­t­ef­fekte der Acht­sam­keits­übung betrach­tet. Diese posi­ti­ven Effekte können u. a. fol­gende sein: Stress­re­duk­tion, Gesund­heits­för­de­rung, Stei­ge­rung des Glücks­emp­fin­dens und För­de­rung von Eigen­schaf­ten wie Gelas­sen­heit und Krea­ti­vi­tät.

Auf Basis seiner Erkennt­nisse ent­wi­ckelte Kabat-Zinn sogar ein eige­nes The­ra­pie­pro­gramm, das inzwi­schen welt­weit ein­ge­setzt wird, die Mind­ful­ness-Based Stress Reduc­tion, kurz: MBSR

Also ist Medi­ta­tion für jeden geeig­net?

Ganz klare Ant­wort: Ja! Es gibt so viele Formen der Medi­ta­tion, dass sie letzt­lich in jede Tra­di­tion inte­grier­bar ist, abhän­gig von der Ziel­set­zung und der gewähl­ten Art der Praxis. Oder auch ganz ohne Ziel­set­zung, mit moder­ner Acht­sam­keits-Medi­ta­tion.

Wofür auch immer du dich ent­schei­dest, du kannst dich schon jetzt auf die Beglei­t­ef­fekte freuen. Denn deinem Stress, deiner Gesund­heit und deinem Glück ist es nicht so wich­tig, auf welche Art und Weise du medi­tierst.

Beginne auch du mit dem Medi­tie­ren:
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