Beim Blick in die Medien bleibt einem der aktuelle Achtsamkeits- und Meditationsboom kaum verborgen. In den USA spricht man gar von einer „Achtsamkeitsrevolution“. Dieser Trend zeigt sich auch in der steigenden Anzahl wissenschaftlicher Studien. Obwohl sich die Forschung schon seit etwa 1960 mit Themen rund um Achtsamkeit und Meditation befasst, ist die Zahl wissenschaftlicher Publikationen seit Beginn des neuen Jahrtausends regelrecht in die Höhe geschossen.

Die Begrifflichkeiten Achtsamkeit und Meditation vermischen sich dabei häufig. "Achtsamkeit" ist eine Haltung, die in allen Arten von Meditation eine Rolle spielt. Während also Meditation ohne Achtsamkeit nicht auskommt, muss man im umgekehrten Fall nicht zwangsläufig meditieren, um achtsam sein zu können. Wird die Wirkung von Meditation untersucht, schließt dies die Achtsamkeit also automatisch mit ein.

Gesundheit, Suchtbekämpfung, Partnerschaft: Die vielfältigen Effekte von Meditation

Dass sich Meditation positiv auf die geistige und körperliche Gesundheit auswirkt, ist inzwischen weitläufig bekannt. Doch auf welche Bereiche genau? In den vergangenen Jahren hat sich die Forschung mit unzähligen Themen rund um Achtsamkeit und Meditation beschäftigt. Erforscht wurdem unter anderem die Wirkungen auf Suchtverhalten, unterschiedliche körperliche und psychische Erkrankungen, Partnerschaft oder Leadership – um nur einen Bruchteil zu nennen.

Viele dieser Studien werden mit Teilnehmern des von Jon Kabat-Zinn entwickelten medizinischen Achtsamkeitstrainings MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) durchgeführt. Im Rahmen dieses Programms werden die Teilnehmer über acht Wochen im Rahmen von Meditation, Yoga und Body Scans mit dem Thema Achtsamkeit vertraut gemacht. Das MBSR-Programm wurde bereits Ende der 1970er Jahre entwickelt und findet inzwischen Anwendung in Kliniken und Zentren auf der ganzen Welt. Aufgrund seiner weiten Verbreitung erlaubt es somit eine relativ große Stichprobe für wissenschaftliche Untersuchungen zu Achtsamkeit.

Die Vermessung der Achtsamkeit

Aber wie lässt sich Achtsamkeit überhaupt messen? Diese Frage ist entscheidend für die Erforschung der verschiedenen Facetten von Achtsamkeit und stellt die Wissenschaft vor große Herausforderungen. Denn in den meisten Fällen werden bislang Fragebögen verwendet – in rund einem Dutzend verschiedenen Varianten – die die Einschätzung der Testsubjekte selbst abfragen. Der Freiburger Fragebogen zur Achtsamkeit (FFA) verwendet beispielsweise Aussagen wie „Ich nehme meine Gefühle wahr, ohne auf sie reagieren zu müssen“ oder „Ich versuche in Kontakt zu sein mit dem, was gerade ist, hier und jetzt“.

Der Einsatz von Fragebögen zur Messung von Achtsamkeit wird nicht kritiklos anerkannt. Dies liegt vor allem daran, dass der Fragebogen auf der eigenen Einschätzung beruht, und diese häufig Verzerrungen unterliegt. Gerade Menschen, die ein eher begrenztes Verständnis von Achtsamkeit haben, schätzen sich häufig achtsamer ein als sie sind. Umgekehrt stufen sich achtsame Menschen selbst öfter als nicht achtsam ein, weil sie mit dem Konzept stärker vertraut sind und entsprechend strengere Anforderungen stellen. Doch eine objektive Beurteilung ist schwer, denn ein innerer Geisteszustand lässt sich kaum messen.

Für den Einzelnen spielt das zum Glück keine so große Rolle. Wir wissen, dass Achtsamkeit und Meditation unserem Körper und Geist guttun und spüren im Normalfall die positiven Veränderungen. Und die Forschung kann uns dabei einen zusätzlichen Motivationsschub bieten: Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich schon nach 25 Stunden Achtsamkeitsmeditation erste positive Veränderungen bemerkbar machen.