von Anna Rosen­baum und Alex­an­dra Gojowy

Woh­nungs­lose Men­schen haben viele Geschich­ten, aber keine gemein­same Stimme, die in der Öffent­lich­keit Gehör findet. Gerade in Groß­städ­ten wie Berlin, in denen Obdach­lo­sig­keit all­ge­gen­wär­tig ist, werden sie zu unsicht­ba­ren Rand­er­schei­nun­gen, die wir im Alltag kaum mehr wahr­neh­men. Eben des­halb ver­su­chen ver­schie­dene Orga­ni­sa­tio­nen, Auf­klä­rungs­ar­beit zu leis­ten und der Straße ein Gesicht zu geben. 

Und jeder von uns kann etwas tun. Mit ver­schie­de­nen Formen des Enga­ge­ments und mit einem acht­sa­me­ren Blick für die Straße. Denn Acht­sam­keit bedeu­tet vor allem, die Welt bewuss­ter wahr­zu­neh­men. Auch und gerade dann, wenn es unbe­quem wird. 

Auf den Stra­ßen von Berlin

Ein groß­ar­ti­ges Pro­jekt, das den Men­schen auf der Straße ein Gesicht und eine Stimme gibt, ist Streets of Berlin. In Video-Inter­views, die Grün­der Omid Mirnour über die Social Media-Kanäle teilt, können Woh­nungs­lose über ihre Wün­sche, Ängste und Gedan­ken spre­chen. Ziel von Streets of Berlin ist es, Vor­ur­teile auf­zu­bre­chen und Ver­ständ­nis zu wecken. Denn gerade in Berlin sind viele Men­schen den täg­li­chen Anblick von Obdach­lo­sen gewöhnt, ohne das sie jemals mit einer betrof­fe­nen Person gespro­chen hätten. 

Mit dem Pro­jekt schenkt Mirnour den Men­schen etwas, wonach sich jeder sehnt: Auf­merk­sam­keit und Zuwen­dung. Einige der Inter­view­ten wün­schen sich nur ein paar Minu­ten Mit­ge­fühl, andere offen­ba­ren ihre Sehn­sucht nach einer Nor­ma­li­tät, die wir für selbst­ver­ständ­lich halten – Leben in einem geschütz­ten Raum. Als Non­pro­fit-Orga­ni­sa­tion nimmt Streets of Berlin gerne Unter­stüt­zung ver­schie­dens­ter Form an. Wer sich für das Pro­jekt enga­gie­ren will, kann sich über Face­book oder per E-Mail an omid@​thunderbergfilms.​com mit dem Team in Ver­bin­dung setzen.

Wer als Besu­cher nach Berlin kommt – oder die eigene Stadt einmal mit neuen Augen sehen möchte – erlebt mit Quer­stadt­ein” eine Stadt­füh­rung der ganz beson­de­ren Art. Bei Quer­stadt­ein lassen sich Stadt­füh­run­gen buchen, die von Obdach­lo­sen gelei­tet werden und ihre Geschich­ten haut­nah erle­ben. Quer­stadt­ein ist damit ein wich­ti­ges Bin­de­glied zwi­schen allen Men­schen, die täg­lich auf den Stra­ßen Ber­lins unter­wegs sind. Die Touren zeigen euch garan­tiert noch etwas Neues, auch den Urber­li­nern!

Hilfen für Obdach­lose in ganz Deutsch­land

Buch­au­tor Peter Rösch hat die Stim­men der Straße in einem Buch gesam­melt. Die Leute vom Stra­ßen­rand“ erzählt von außer­ge­wöhn­li­chen Lebens­ge­schich­ten und einer Menge schick­sal­s­träch­ti­ger Begeg­nun­gen mit Men­schen in ganz Deutsch­land. Dabei wird schnell klar: Obdach­lo­sig­keit ist kein loka­les Pro­blem.

Doch jeder von uns kann seinen klei­nen Bei­trag leis­ten, um Woh­nungs­lo­sen zu helfen. Natür­lich kann nicht jeder eine Kamera nehmen und ein Video-Pro­jekt star­ten, aber es kann schon rei­chen, die all­täg­li­chen Wege durch die eigene Stadt etwas acht­sa­mer zu gehen. Auch ein netter Blick, ein freund­li­ches Lächeln, ein guter Gedanke oder eine kleine Spende an jeman­den, der sonst ein­fach igno­riert wird, können zu mehr Hoff­nung, Mut und Opti­mis­mus bei­tra­gen.

Zusätz­lich kann es helfen, die wich­tigs­ten Anlauf­stel­len zu kennen – gerade in der kalten Jah­res­zeit kann das in man­chen Fällen sogar Leben retten. Beson­ders das Früh­jahr macht vielen Woh­nungs­lo­sen zu schaf­fen, denn wenn die Win­ter­schlaf­plätze wieder weg­fal­len, fehlt vielen bereits im März ein Schlaf­platz, bei nächt­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren um den Gefrier­punkt.

Doch in fast allen großen Städ­ten gibt es inzwi­schen einen so genann­ten Käl­te­bus, dessen Nummer sich ruck­zuck im Handy spei­chern lässt. Wer sich umfas­sen­der infor­mie­ren will, findet auf der Web­site der Cari­tas einen umfas­sen­den Guide mit Über­le­bens­hilfe für Woh­nungs­lose. Wenn du sogar ein wenig Geld übrig hast, kannst du zum Bei­spiel beim Deut­schen Roten Kreuz bun­des­weit Obdach­lo­sen in Not etwas Gutes tun. Von dem gespen­de­ten Geld werden Feld­bet­ten, Schlaf­sä­cke oder mobile Heizer finan­ziert. Am besten infor­mierst du dich ganz gezielt, was du in deiner Stadt im Rahmen deiner Mög­lich­kei­ten tun kannst.

Acht­sam­keit für dich und andere

Häufig laufen wir im Auto­pi­lot durch den Alltag und nehmen unser Umfeld kaum wahr. Gerade auf bekann­ten Wegen sind wir oft so in uns selbst ver­sun­ken, dass wir selten im Alten noch etwas Neues sehen. Doch Acht­sam­keit” für den Moment und das Umfeld lässt sich üben. Mit Acht­sam­keits­trai­ning, zum Bei­spiel Medi­ta­tion, lernst du, dich ganz auf das Hier und Jetzt zu kon­zen­trie­ren. Nach und nach wird dein Blick so auto­ma­tisch offe­ner und inter­es­sier­ter. Und auch ohne Medi­ta­tion lässt sich Acht­sam­keit üben. Geh zum Bei­spiel den rou­ti­nierte Weg zur Arbeit einmal ganz bewusst und schau hin, wem du begeg­nest.

Gehst du acht­sam durch deinen Tag, so hat auch dein Umfeld etwas davon. Denn du wirst offe­ner für die Bedürf­nisse ande­rer, weni­ger anfäl­lig für vor­schnelle Urteile und eher bereit zuzu­hö­ren, hin­zu­schauen und deinen Bei­trag zum All­ge­mein­wohl zu leis­ten.

Woh­nungs­lose sind wie wir alle Men­schen mit Bedürf­nis­sen und indi­vi­du­el­len Lebens­ge­schich­ten. Sieh der Straße ins Gesicht! Es gibt viel zu ent­de­cken.


SCHRITT FÜR SCHRITT ZU MEHR ACHT­SAM­KEIT:
7Mind kos­ten­los testen



Das könnte dich auch inter­es­sie­ren:

Gute Taten, die gut tun. Oder: War St. Martin Egoist?
Liebe deinen nächs­ten – und über­nächs­ten