Von Alex­an­dra Gojowy

Ich würde ja so gerne, aber ich hab leider keine Zeit”.
Schade, das klingt wirk­lich toll, aber ich hab ein­fach keine Zeit”.
Wenn ich mehr Zeit hätte, dann würde ich mit­kom­men, aber ich kann leider nicht”. 

Wenn wir diese Aus­re­den benut­zen, ernten wir oft trau­rige, ver­ständ­nis­volle, Blicke. Denn wenn es von einer Sache ein­fach nicht genug gibt, dann ist es Zeit. Zeit, für den Job, Zeit für die ver­schie­de­nen Freun­des­kreise, Zeit für den Part­ner, Zeit für die Katze, Zeit zum Ent­span­nen, Zeit für sich selbst und die eige­nen Hob­bies. Wäh­rend wir stän­dig unse­rer Frei­zeit hin­ter­her­lau­fen und am Sonn­tag­abend den Beginn der neuen Woche betrau­ern, ver­ges­sen wir aber, dass die Ver­ant­wor­tung für unsere Zeit immer noch bei uns selbst liegt. 

Vielen Men­schen fällt es schwer, alles unter einen Hut zu bekom­men. Beson­ders Fami­lie und Beruf können uns eini­ges abver­lan­gen, bis zu dem Punkt, an dem jede freie Stunde im Ter­min­ka­len­der Balsam für die Seele ist. Klar, wir alle wollen ein her­aus­for­dern­des Leben, doch wenn sich Anspan­nung und Ent­span­nung nicht mehr die Waage halten, kann die Belas­tung auf Dauer krank machen. Statt immer mehr Ter­mine zu strei­chen, Kom­pro­misse ein­zu­ge­hen und uns im Alltag zu ver­lie­ren, soll­ten wir lieber nüch­tern Bilanz ziehen. Sind wir wirk­lich die ganze Zeit busy, oder ist das Drama des Zeit­man­gels teil­weise selbst ver­ur­sacht? Drei Denk­an­stöße, die dir helfen können, deinen Zeit­haus­halt zu ent­rüm­peln und die Uhren auch mal anzu­hal­ten.

Wir sind mehr als die Summe unse­rer Erleb­nisse

Warte, was? Soll­ten wir nicht letz­tens noch Post­kar­ten sam­meln, Eis essen und durch die Stra­ßen einer süd­li­chen Trend­des­ti­na­tion schlen­dern? Erin­ne­run­gen, statt Gegen­stände sam­meln? Natür­lich sind die schö­nen Dinge des Lebens da, um genos­sen zu werden. Schließ­lich braucht jeder mal eine Pause, ganz abseits des All­tags. Doch im Zeit­al­ter der Bil­lig­flug­li­nien jagt ein High­light das nächste und sogar der Aus­flug in den nächs­ten Stadt­park will so gut geplant sein, dass man zwi­schen Buffet, Pick­nick­de­cke und Wim­pel­kette nichts missen muss. Man stelle sich nur vor, man würde an seinem freien Wochen­ende eine fal­sche Ent­schei­dung tref­fen, schlecht essen, im Regen sitzen oder seine Zeit mit Nichts­tun ver­schwen­den!

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Die Qua­li­tät unse­rer Lebens­er­fah­rung messen wir oft an der Inten­si­tät unse­rer Erleb­nisse. Je lauter und bunter die Party, je ver­rück­ter die Begeg­nun­gen, je male­ri­scher die Natur, desto besser bewer­ten wir die ver­brachte Zeit. Egal, ob uns der nächste Städ­te­trip stresst, etwas zu erle­ben, ist immer noch besser, als das Wochen­ende auf der Couch zu ver­gam­meln. Es wird deut­lich, wie sehr wir auf das Außen fixiert sind, und dass uns ein Sams­tag, den wir trotz Son­nen­schein im Bett ver­brin­gen, schon fast pein­lich ist. Haben wir also wirk­lich keine Zeit für uns selbst, oder wollen wir sie uns nicht nehmen, aus Angst, etwas Auf­re­gen­de­res zu ver­pas­sen?

Ja, manch­mal braucht man die ver­rückte Party, um sich am nächs­ten Montag wieder in den Alltag zu stür­zen. Manch­mal täten wir aber gut daran, alle Pläne abzu­bla­sen und die Lebens­zeit wieder zu uns zurück­zu­ho­len, statt sie für das nächst große Erleb­nis aus­zu­ge­ben.

Keine Zeit oder keine Lust?

Keine Zeit” ist eine Uni­ver­sal­aus­rede, die wir auch gerne nutzen, wenn wir ein­fach nur keine Lust haben. Nie­mand erteilt gerne Absa­gen, Unehr­lich­keit stresst uns aber min­des­tens genauso, wenn auch nur unter­be­wusst. Kleine Not­lü­gen erleich­tern zwar den Alltag, trotz­dem soll­ten wir muti­ger sein, wenn es darum geht, Zeit für uns selbst ein­zu­räu­men. Ein schö­ner Neben­ef­fekt: Wir ent­de­cken, was uns wirk­lich wich­tig ist. Frei nach dem Motto Wenn es kein Ja ist, ist es ein Nein”, finden wir ganz schnell heraus, wann wir nur halb­her­zig zusa­gen und wann wir wirk­lich voll und ganz am Start sind. Schlim­mer als Zeit­man­gel ist näm­lich nur die ewige Unver­bind­lich­keit von jeman­dem, der angeb­lich nie Zeit hat, sich aber vor Enthu­si­as­mus kaum halten kann, wenn man nach einer gemein­sa­men Ver­ab­re­dung fragt. 

Besser wäre, offen zuzu­ge­ben, dass man Zeit für sich braucht, denn das inspi­riert auch andere, kleine Not­lü­gen end­lich mal ad acta zu legen. Schließ­lich hat nicht jeder Gedanke, jede Person oder jeder Termin das glei­che Gewicht. Und das ist auch völlig normal. Am besten wir orga­ni­sie­ren unsere Auf­ga­ben so, dass sie zu unse­ren beruf­li­chen, sozia­len und pri­va­ten Bedürf­nis­sen passen. So haben wir mehr Zeit für uns selbst und auto­ma­tisch wieder mehr Lust, diese mit ande­ren zu teilen. 

Was sind die größ­ten Zeit­fres­ser?

Mal ehr­lich, was sind die größ­ten Zeit­fres­ser im Alltag? Job, Freunde und Fami­lie nehmen große Zeit­blö­cke in Anspruch, aber wie gestal­ten wir die freien Momente dazwi­schen? Laut einer Studie, ver­brin­gen Ame­ri­ka­ner die meiste Zeit ihres Tages mit schla­fen, arbei­ten und Net­flix schauen. Erschre­cken­der Weise nimmt das Strea­men von Serien und Filmen mitt­ler­weile mehr Zeit des Tages ein, als Essen, Lesen oder Selbst­für­sorge. Hinzu kommt, dass wir täg­lich mehr als zwei Stun­den in den Sozia­len Netz­wer­ken ver­brin­gen.

Unsere Medi­en­nut­zung raubt uns also einen erheb­li­chen Teil unse­rer Frei­zeit. Jeder weiß, wie die Zeit ver­fliegt, wenn wir gedan­ken­ver­lo­ren durch den Ins­ta­gram Feed scrol­len. So gut es auch tut, das Gehirn für ein paar Stun­den abzu­schal­ten – Wer Zeit hat, täg­lich 90 Minu­ten bei Net­flix zu ver­brin­gen, hat Zeit. Sie vor dem Laptop zu ver­brin­gen, ist eine bewusste Ent­schei­dung und hat wenig damit zu tun, wirk­lich beschäf­tigt zu sein. 

Zeit erfah­ren lernen:
7Mind kos­ten­los star­ten


Acht­sam­keits­trai­ning kann dabei helfen, im Kopf mal wieder ein Level her­un­ter­zu­fah­ren. Eine halbe Stunde auf Ins­ta­gram zu ver­brin­gen ist leicht, aber wie wäre es, 30 Minu­ten lang nichts zu tun und ganz bei sich selbst anzu­kom­men? Das Gefühl inten­si­ver Selbst­wahr­neh­mung ist so unge­wohnt, dass viele Men­schen es sogar als unan­ge­nehm emp­fin­den. Doch mit etwas Übung erkennt man schnell, was für ein großes Poten­tial in dieser jahr­tau­sen­de­al­ten Übung steckt. Alles, was man braucht, um zu medi­tie­ren sind ein paar Momente der Ruhe und den Willen, etwas Neues aus­zu­pro­bie­ren. Nach den ersten Minu­ten stellt sich bereits Lan­ge­weile ein? Gut so, denn end­lich rau­schen die Minu­ten mal nicht spur­los an uns vorbei. 

Wie viel Zeit wir haben, ist also weni­ger wich­tig, als das, womit wir unsere Zeit ver­brin­gen. Egal, ob Hobby, Nichts­tun, Net­flix, Arbeit oder Sozi­al­le­ben – Erin­nern wir uns daran, dass wir einen Ein­fluss auf all diese Berei­che haben. Was davon zum Zeit­fres­ser wird, muss jeder für sich selbst ent­schei­den. Nie­mand hat die Macht dar­über, uns die Zeit zu steh­len. Zeit zu haben ist eine Ent­schei­dung und vor allem eine Frage der Prio­ri­tä­ten. Oft können wir an wich­ti­gen Stell­schrau­ben drehen und nicht selten reicht es schon, ein­fach weni­ger zu machen, um den stän­di­gen Druck ein wenig raus­zu­neh­men. Vor allem aber, soll­ten wir den Fokus nicht auf den Zeit­man­gel rich­ten, son­dern auf eine gesunde Balance zwi­schen dem, was getan werden muss, und was uns wirk­lich wich­tig ist — Hier und Jetzt.

Die Pod­cast­folge zum Impuls der Woche:


Durch Acht­sam­keit Zeit schät­zen lernen:
7Mind kos­ten­los star­ten


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