Von Sarah Schömbs

Krisen kommen urplötz­lich, ohne Vor­war­nung. Will­kür­lich ent­schei­det das Leben, eine Wen­dung zu nehmen. Nichts scheint mehr so, wie es war. Das Ende einer Bezie­hung, eines Jobs, ein Schick­sal­schlag, unkal­ku­lier­bar, unbe­re­chen­bar. Lächer­lich erschei­nen all die Pläne, Ziele, all das Meckern, die klei­nen Weh­weh­chen des All­tags.

Wie geht es weiter? Wie schafft man es, wieder auf­zu­ste­hen und dem Leben ent­ge­gen­zu­tre­ten? Wie findet man Kraft und Sta­bi­li­tät in Momen­ten der Unsi­cher­heit? Die Ant­wort steckt hinter dem Begriff Ver­trauen”.

In diesem Arti­kel geht es nicht um das gebro­chene Ver­trauen in deine beste Freun­din, weil sie dich bereits mehr­mals ver­setzt hat oder das Ver­trauen in deinen Part­ner, was durch eine Gute Nacht” –Whats­App-Nach­richt wäh­rend einer Par­ty­nacht her­ge­stellt wird. Gemeint ist auch nicht das Ver­trauen, dass deine Amazon Prime Lie­fe­rung in den gewünsch­ten 24h ein­trifft. Die Rede ist von dem Ver­trauen, das in dir steckt und unab­hän­gig von äuße­ren Gescheh­nis­sen in dir ruht: Dein Urver­trauen.

Dieser Arti­kel ist gewiss kein All­heil­mit­tel, um man­geln­des Urver­trauen in null Komma nichts wie­der­her­zu­stel­len. Nichts­des­to­trotz können die fol­gen­den Anre­gun­gen und Denk­an­stöße dabei helfen, dem Leben zu ver­trauen und Zwei­fel, Miss­trauen und Skep­sis zu über­win­den. Denn wer Urver­trauen besitzt, begeg­net dem Leben grund­sätz­lich mit Gelas­sen­heit und Mut.

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Was steckt hinter dem Begriff Urver­trauen?

Ver­trauen basiert grund­sätz­lich auf der Annahme, dass Ent­wick­lun­gen einen erwar­te­ten, posi­ti­ven Ver­lauf nehmen. Doch es ist das Urver­trauen, das dir sagt: Es wird wieder ok. Die Welt ist im Kern gut. Alles geschieht zu seiner Zeit. Es ist das Urver­trauen, das die Macht hat, Men­schen in schwie­ri­gen Situa­tio­nen wei­ter­ge­hen zu lassen. Es ist der höhere Sinn, die Fügung, das Schick­sal. Das Urver­trauen ist die Macht des all­ge­gen­wär­ti­gen Guten. Das Ver­trauen in einen selbst, in den eige­nen Weg und in das Leben. Das Urver­trauen sagt: Das Leben ist nicht dein Gegner. Das Leben ist dein Freund. 

Doch woher kommt das Ver­trauen in dich, deine Kraft und deinen Weg?
Ist Urver­trauen ange­bo­ren? In der Theo­rie zur Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung des ame­ri­ka­ni­schen Psy­cho­lo­gen Eri­kson spielt vor allem das erste Lebens­jahr eines Säug­lings eine große Rolle für das Urver­trauen des Men­schen. Wäh­rend des ersten Lebens­jah­res ist es ent­schei­dend, dass die grund­le­gen­den Bedürf­nisse des Kindes durch die Mutter gedeckt werden. Zunei­gung, Nah­rung, Wärme usw. 

Mit der Ent­wick­lung der Sinne und der Wahr­neh­mung des Kindes in den fol­gen­den Mona­ten wird auch die erste soge­nannte Krise” nach Eri­kson über­wun­den. Diese liegt in der Angst, ver­las­sen zu werden. Also die Angst vor der Abwe­sen­heit der Mutter. So eine Krise kann schon durch das Ver­las­sen des Zim­mers aus­ge­löst werden. Laut Eri­kson ist das Über­win­den sol­cher Krisen not­wen­dig und wich­tig, um zu wach­sen, zu lernen und zu ver­trauen. Es sind not­wen­dige Pro­zesse, die durch­lebt und über­wun­den werden müssen. 

Die Zuwen­dung der Mutter ist also essen­ti­ell dafür, ob das Kind zukünf­tig ver­traut oder miss­traut. Dem­nach können Ver­nach­läs­si­gung oder eine man­gelnde Bin­dung zwi­schen Mutter und Kind dazu führen, dass man in den spä­te­ren Jahren dem Leben miss­trau­isch gegen­über ein­ge­stellt ist und umgangs­sprach­lich schnel­ler die Krise kriegt”. 

Die fol­gen­den Impulse sollen dich dabei unter­stüt­zen, in Momen­ten der Krise dich selbst nicht zu ver­lie­ren und gegen­über kom­men­den Hürden gewapp­net zu sein. 

Spüre dich

Unsi­cher­heit ent­steht, wenn wir mit etwas kon­fron­tiert sind, was wir nicht steu­ern können.
Manche Krisen kommen urplötz­lich. Krisen, die nie­mand kal­ku­lie­ren kann, die dir das Leben vor die Füße wirft. In sol­chen Momen­ten ist es ratsam, zunächst Kon­takt zu dir selbst auf­zu­neh­men. Lege für einen Moment deine Hände auf deinen Bauch. Spürst du den Kon­takt zwi­schen deinen Händen und deinem Bauch? Kannst du Wärme oder Kälte wahr­neh­men? Atme einige Male tief ein und aus. Kannst du wahr­neh­men, wie sich dein Bauch mini­mal hebt und senkt? Wie sich deine Rip­pen­bö­gen weiten und zusam­men­zie­hen? Spüre dich. Nehme deinen Körper war. Du bist hier, du bist jetzt. Du exis­tierst, du lebst.

Schaue zurück

Du bist die Summe deiner Erfah­run­gen. So naiv der Satz auch klin­gen mag, ist es in Krisen hilf­reich, zurück­zu­bli­cken. Mit großer Wahr­schein­lich­keit hast du bereits schon einmal eine Krise über­wun­den und bist letz­ten Endes gestärkt daraus her­vor­ge­gan­gen. Die Krise hat dazu bei­ge­tra­gen, dass du heute die Person bist, die du bist. Auch wenn du zum Zeit­punkt der letz­ten Krise das Gefühl hat­test, dass der Kampf, die Trauer, all­ge­gen­wär­tig ist und du nie wieder Bes­se­rung fühlen wirst. Hier bist du nun. Du hast die Krise über­wun­den. Schöpfe daraus das Ver­trauen, dass du auch diese und kom­mende Krisen meis­tern wirst. 

Anneh­men, was ist

Du kannst die Situa­tion nicht ändern. Zumin­dest nicht jetzt in diesem Moment. Das ist Tat­sa­che, das ist Fakt. Lerne, den Moment so anzu­neh­men, wie er ist. In dem du annimmst, was ist, erkennst du auch die Krise als solche an. Durch Annahme fin­dest du die nötige Kraft, der Situa­tion zu begeg­nen.

In der Acht­sam­keits­pra­xis lernst du, den Fokus zurück auf das Hier und Jetzt zu lenken und löst dich somit von mög­li­chen Zukunfts­sze­na­rien, die dir dein Ver­stand wie ein Dau­men­kino vor­spie­len möchte. Medi­ta­tion kann dir in Momen­ten der auf­stei­gen­den Panik dabei helfen, dich von Unsi­cher­heit und Angst zu lösen und zu dis­tan­zie­ren. Indem du medi­tierst, kehrst du zu dem Ist-Zustand zurück und lernst, mög­li­che Ursa­chen der Unsi­cher­heit als solche zu iden­ti­fi­zie­ren. Wie ein Bild, das du von der Wand nimmst, um auf die nackte Tat­sa­che zu schauen.

Außer­dem kannst du dein Ver­trauen grund­sätz­lich stär­ken, indem du Affir­ma­tio­nen wie Ich habe Ver­trauen” oder Ich ver­traue meiner Kraft und meinem Weg” in deine Medi­ta­tion inte­grierst oder in ver­schie­dens­ten Situa­tio­nen gedank­lich wie­der­holst. Solche Auto­sug­ges­tio­nen mani­fes­tie­ren sich durch kon­ti­nu­ier­li­che Wie­der­ho­lung in deinem Geist. Sie führen dazu, dass Ich habe Ver­trauen” unter­be­wusst in deinen Denk­pro­zess inte­griert wird. 

Ent­de­cke deine Schaf­fens­kraft

Wie bereits gesagt, basiert unser Ver­trauen auf der Annahme, dass Ent­wick­lun­gen einen posi­ti­ven Ver­lauf nehmen. Das bedeu­tet im Umkehr­schluss: Wenn uns etwas gelingt, fassen wir Ver­trauen. Um lang­fris­tig Ver­trauen in dich und deine Kraft auf­zu­bauen, ist es hilf­reich, dir regel­mä­ßig Auf­ga­ben zu geben, die in deinem Schaf­fens­be­reich liegen. Das kann bei­spiels­weise in Form eines Hobbys sein. Übst du regel­mä­ßig Yoga oder einen ande­ren Sport, gewinnst du Schritt für Schritt Ver­trauen in deine Mus­kel­kraft. In dein Können. In dich. 

Mit jeder erfolg­reich absol­vier­ten Auf­gabe wächst das Ver­trauen und der Glaube an deine eigene Kraft. Falls du mehr dar­über erfah­ren möch­test, wie du deine Fähig­kei­ten ein­zu­schät­zen lernst, schau bei unse­rem Arti­kel zum Thema Selbst­wirk­sam­keit vorbei. 

Wir hoffen, dass unsere Anre­gun­gen und Tipps dich dabei unter­stüt­zen, in Kri­sen­mo­men­ten zu deiner inne­ren Kraft zu finden und dich vor allem zu deinem Urver­trauen zurück­zu­füh­ren. Glaube an deine innere Kraft, an deinen Weg. Ver­traue in das Leben. Habe Ver­trauen in dich.

Die Pod­cast­folge zum Impuls der Woche:


Dein Selbst­ver­trauen stär­ken mit Medi­ta­tion:
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Bild: Bruno Nasci­mento auf Uns­plash