Gastbeitrag von Claudia Gellrich

Was ist beruhigender und heilsamer als draußen in der Natur zu sein? Der Stille zu lauschen oder den Vögeln beim Singen zuzuhören, es zu genießen, wenn eine leichte Brise sanft die Haut kitzelt. Schon die Weite des Himmels führt uns von ganz allein in einen meditativen Zustand. Wolken ziehen vorüber, das Wasser glitzert auf den (Berg-) Seen. Wir müssen gar nichts tun – und genau das wollte ich: nichts tun und sehen, was kommt.

Denn ein Jahr zuvor hatte ich mir bei einem Unfall in Berlin beide Füße so verletzt, dass ich monatelang auf fremde Hilfe angewiesen war. Meine Arbeit als Wanderleiterin und Yogalehrerin konnte ich nur eingeschränkt und im Sitzen ausüben. Eine Zeit, in der ich mehrmals wöchentlich Physiotherapeuten oder Ärzte konsultieren musste. Mein Alltag war völlig fremdbestimmt, mich draussen zu bewegen, Einkaufen, Sport, all das war fast unmöglich. Den Haushalt ohne Unterstützung zu erledigen, über Wochen undenkbar. In dieser Zeit schenkten mir nicht nur enge Freunde, sondern auch Mediation Kraft und Zuversicht – und die Natur.

Die Natur hat besondere (Anziehungs-) Kräfte

Zwar waren die Knochen nach ein paar Monaten wieder verheilt, doch emotional hat mich der Unfall noch weit länger beschäftigt. So lange ich denken kann, schenkt mir die Natur Kraft und Energie. So auch in dieser schwierigen Lebensphase. Ich liebe die Berge seit ich Teenager bin, und dieses großartige Gefühl, das mich durchströmt, wenn ich oben angekommen, wenn ich über mich selbst hinausgewachsen bin. Wenn ich die majestätischen Panoramen um mich herum erspüre, die mir zeigen, wie klein ich doch bin – und wie groß und kraftvoll zugleich. Dann bin ich eins mit dem Berg.

Vor allem in der Natur zu meditieren hat mir bei der ganzheitlichen Regenerierung geholfen. So habe ich draussen, angelehnt an einem Baum oder an besonderen Kraft-Orten, wie den beiden Klöstern Chorin und Lehnin, wieder auftanken können. Und dabei vieles über mich und meine Yogapraxis gelernt.

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Was ich durch meinen Unfall gelernt habe: Loslassen und Geduld haben!

In den vergangenen Monaten wurden mir viele Dinge klarer, einige möchte ich gerne mit Euch teilen:

-Die Asana-Praxis im Yoga bietet hunderte Varianten und eine modifizierte Praxis ohne Standhaltungen ist sehr gut möglich – und Blöcke und Polster benutzen ist super!

-Mein Mitgefühl und Verständnis gegenüber langsameren Menschen oder jenen mit Einschränkungen, älteren oder gebrechlichen Personen, hat eine neue Dimension erreicht.

-Auch habe ich gelernt, dass es in Ordnung ist, Hilfe anzunehmen, mich blind auf mein super Team und vor allem auf liebe Freunde zu verlassen. Ich musste komplett loslassen und mich hundert Prozent auf meine Kollegen verlassen, die in dieser Zeit alle meine Touren übernommen haben. So konnte Karmahike letztlich noch weiter wachsen

-Verletzlich zu sein und nicht immer alles alleine schaffen zu müssen, ist völlig ok. Dies war wohl die größte Herausforderung und das größte Learning zugleich: Vertrauen, loslassen und geduldig sein.

Kraftorte können bei der Heilung helfen – auch ganz ohne religiösen Überbau

Die Besuche in verschiedenen Klöstern und die kurzen Spaziergänge gaben mir Kraft. Schnell wurde mir klar, warum genau dort jene Klöster vor gut 800 Jahren gegründet wurden: Denn sie sind Orte der Stille und Kraft, umgeben von einer atemberaubenden Landschaft. Als Wahl-Berlinerin spazierte ich zum Auftanken durch die brandenburgische Weite und die uralten Buchenwälder der Uckermark.

Das Biosphärenreservat Schorfheide Chorin und der Grumsin liegen nur eine Stunde von der Hauptstadt entfernt. Die gigantischen Buchen lassen einem den Atem stocken. Uralte Wälder und eine teils bizarre Moränenlandschaft – und nur wenige Kilometer weiter findet sich ein wunderbarer Ort der Stille: die Kloster-Ruine Chorin. Eine ehemalige Zisterzienser-Abtei, die unter der Leitung Schinkels rekonstruiert wurde, lädt dazu ein, Stille und Konzentriertheit einzuatmen. Die brandenburgische romanisch-gotische Backsteingotik be- und verzaubert. Die weitläufige Anlage erzählt vom Klosterleben vergangener Tage und zieht magisch in seinen Bann. Ebenso wie das Schwester-Kloster Lehnin, das anders als Chorin noch gut erhalten und für mehrtägige Aufenthalte geeignet ist. Beide bestechen nicht nur durch die wunderschöne Architektur sondern mehr noch durch ihre mystische Atmosphäre. Und selbst wer genauso wenig religiös ist wie ich, kann hier diese magischen Momente erspüren.

Om & Bergheil: Es geht wieder bergauf!

Seit ein paar Monaten bin ich wieder rundum genesen und voll mobil und leite auch wieder einige unserer Retreats und Tagesausflüge. Es geht zu besonderen Orten und in einzigartige Naturlandschaften, unter anderem in der Uckermark, im Schwarzwald oder im Bayrischen Oberland. Die Kombination aus zügigem Wandern, Yoga, Schweige- oder Gehmeditationen und einfachen Achtsamkeitsübungen ist für mich eine einzigartige Kombination sich ergänzender Aktivitäten. Und vor allem in einer Gruppe Gleichgesinnter, naturliebender und kommunikativer Menschen ein wunderbares Erlebnis.

Denn durch die Stille und Kraft der Natur, durch Wandern an der frischen Luft, werden Herz und Kreislauf gestärkt. Yoga und Meditation haben sich seit Jahrtausenden bewährt, um Körper und Geist in Einklang zu bringen – eine Kombination, die mir auch persönlich die Kraft gegeben hat, diesen Rückschlag zu überwinden.



Claudia Gellrich ist Yogalehrerin und Gründerin von Karmahike. Die monatlichen Karmahike-Day-Trips kombinieren Wandern, Meditation und Yoga an besonderen Orten wie den Alpen, dem Tramuntana-Gebirge auf Mallorca oder den Landschaften der Uckermark. Kern von Karmahike ist die Verbindung zur Natur und zu sich selbst.

Übrigens sucht Karmahike aktuell Yoga-Wanderleiter/innen in ganz Deutschland, die Tagestouren leiten wollen, um eine noch größere Community aufzubauen. Mehr unter: www.karmahike.com.

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